Einblicke
Sprunghaft steigende Energiepreise, geopolitische Konflikte und neue Narrative
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Global Equity Observer
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April 29, 2026
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April 29, 2026
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Sprunghaft steigende Energiepreise, geopolitische Konflikte und neue Narrative |
Das erste Quartal 2026 begann für die breiten globalen Aktienmärkte in positivem Terrain, aber die Stimmung kehrte sich nach den Angriffen Isreals und der USA auf den Iran Ende Februar um. Bis Ende März war der MSCI World Index im Monatsverlauf um 6,4 % gefallen, womit er im Quartal 4 % im Minus lag. Investoren bewerten nun die Auswirkungen eines potenziell schweren Energieschocks, der zu steigenden Inflationserwartungen und sogar zu einem wachsenden Risiko einer Stagflation führen könnte.
Rohöl der Sorte Brent stieg im März um 63 % – der größte monatliche Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen1. Die Straße von Hormus transportiert rund ein Fünftel2 des weltweiten Ölangebots sowie kritische Lieferströme von verflüssigtem Erdgas, Helium, Petrochemikalien und Düngemitteln. Die Störung gilt weithin als der größte Angebotsschock seit den 1970er-Jahren.
Die Volatilität an den Aktienmärkten nahm zu, wobei die täglichen Indexbewegungen häufig von Nachrichten über Eskalation oder Deeskalation aus dem Weißen Haus bestimmt wurden. Trotzdem deuten die Gesamtindexstände bislang auf eine eher selbstzufriedene Reaktion hin, wobei The Economist3 auf einen „erschütternden Optimismus in Bezug auf eine schlechte Situation, die sich noch erheblich verschlechtern könnte“ hinweist und warnt, dass Aktieninvestoren diejenigen sein werden, die am Ende „schlecht darstehen“ werden.
Die aktuelle Krise hat sich jedoch bislang nicht wie ein typischer Wachstumsschock verhalten. Energie, die wir nicht im Portfolio halten, war der einzige Sektor, der im März positive Renditen erzielte und um 12 % zulegte, während defensive Sektoren, wie Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen, mit -9 % bzw. -8 % aufgrund des Ölschocks und des Marktfokus auf Inflation, Störungen der Lieferketten und die geringere Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Zinssenkungen hinter dem Gesamtindex zurückblieben. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts (10. April) hatten die Märkte den Großteil der Verluste aus dem März infolge eines Waffenstillstands wieder aufgeholt, aber der Ausblick bleibt sehr unsicher.
Immaterielle Vermögenswerte aus der Gunst gefallen
Das Quartal brachte mehr als nur Krieg. Die Markteinführung der Produktivitätslösungen Claude von Anthropics Anfang Februar hat ein sich über neun Monate aufgebautes Narrativ bekräftigt: dass KI die Disruption von Software- und datenbezogenen Geschäftsmodellen beschleunigen könnte. Spekulative Kommentare4 zur Zukunft von Bürotätigkeiten verstärkten vorhandene Befürchtungen, sodass es an den Aktienmärkten zu einer ausgeprägten Rotation kam. Investoren haben Zuflucht in „HALO“-Aktien5 gesucht, Unternehmen mit umfangreichen physischen Vermögenswerten und einem als geringer wahrgenommenen Risiko technologischer Obsoleszenz.
An dieser Stelle mahnen wir zur Vorsicht: Auch wenn immaterielle Geschäftsmodelle derzeit kritisch geprüft werden, hat eine Umschichtung in stärker kapitalintensive und zyklische Sektoren neue Risiken zufolge. Diese Unternehmen sind häufig stärker der wirtschaftlichen Volatilität, dem Druck steigender Inputkosten und Störungen in den Lieferketten ausgesetzt – Faktoren, die im aktuellen Umfeld zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wie immer sind wir der Überzeugung, dass ein selektiver Ansatz entscheidend ist.
Anpassungsfähigkeit und Sachlichkeit
Die Marktrotation hat ein anspruchsvolles Umfeld für unseren langjährigen Fokus auf kapitalarme Kapitalvermehrer mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen geschaffen. Von besonderer Bedeutung ist, dass das Gewinnwachstum unserer Portfoliounternehmen im Allgemeinen robust geblieben ist. Viele Aktien waren jedoch mit deutlichen Bewertungsabschlägen konfrontiert.
Unsere Reaktion war diszipliniert und analytisch. Wir haben KI-bezogene Risiken sowohl auf Unternehmensebene als auch auf Branchenebene bewertet und den Dialog mit den Managementteams gesucht. Bei unseren wichtigsten Positionen haben wir dies ergänzt, indem wir durch von unabhängigen Teammitgliedern – und nicht von der primären Research-Abdeckung – durchgeführte Bull-und-Bear-Analysen eine neue Perspektive in die Diskussion eingebracht haben. Dieser Ansatz stellt eine ausgewogene und nüchterne Beurteilung potenzieller Szenarien sicher. Wenn wir feststellen, dass die Sichtbarkeit und Vorhersagbarkeit der Erträge – zentrale Bestandteile unseres Investmentrahmens – nachgelassen haben, passen wir Positionsgrößen an oder veräußern Positionen. Der breit angelegte Abverkauf hat zudem Chancen eröffnet, überverkaufte Titel aufzustocken, bei denen wir den Wettbewerbsvorteil für robuster halten.
Im gesamten Bestehen unseres Teams als Qualitätsinvestoren waren wir bei der Suche nach verlässlichen Kapitalvermehrern aufgeschlossen. Die Entwicklung des Portfolios in den vergangenen neun Monaten spiegelt dies wider. Wir haben das Engagement in Software- und datenexponierten Aktien in den Sektoren Informationstechnologie und Finanzwerte reduziert, während wir die Allokationen in hochwertige Unternehmen in den Bereichen Kommunikationsdienste, Nicht-Basiskonsumgüter und Industrie erhöht haben. Auch die Unternehmen selbst können sich weiterentwickeln. Die Transformation des Einzelhandelsgeschäfts von Amazon ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das nun unsere Qualitätskriterien erfüllt, gestützt durch verbesserte Wirtschaftlichkeit und eine überzeugendere Bewertung. In einer Phase, in der eine erhöhte Streuung der Aktienkurse ein ergiebigeres Opportunity Set für Stockpicker schafft, sind wir auch für Ideengenerierung jenseits unserer traditionellen Jagdgründe wachsam. Unseren Qualitätsfokus behalten wir selbstverständlich bei.
Die Zukunft
Wir stehen vor zwei sich entfaltenden Narrativen, die sich in den derzeit hohen Bewertungen wohl kaum widerspiegeln: einer rasanten, unvorhersehbaren technologischen Revolution, die ganze Branchen umgestaltet, und einem ebenso rasanten, unvorhersehbaren Konflikt, der eine Welt verändert, die bereits durch den Niedergang der regelbasierten Ordnung ins Wanken geraten ist.
Letzteres könnte der Auslöser sein, der teure Märkte schließlich in einen breiten Marktdrawdown kippen lässt, in dem Qualität in der Regel die Oberhand gewinnt. Wir sind der Ansicht, dass die geringe Zyklizität der Portfolios und die im Vergleich zum Index höheren Erwartungen an das Umsatzwachstum ein gewisses Maß an Widerstandskraft bieten sollten. Ihre Bewertungen, gemessen anhand des Verhältnisses von Kurs zu freiem Cashflow, liegen derzeit mit einem ungewöhnlichen Abschlag zum Index, was unseres Erachtens die zugrunde liegende Qualität und das gesunde erwartete Umsatzwachstum der von uns gehaltenen Unternehmen nicht widerspiegelt.
Quelle der genannten Daten, sofern nicht anders angegeben: MSIM, FactSet, Stand: 31. März 2026.
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Managing Director
International Equity Team
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